| Sabine
Böök wurde 1956
in Stuttgart geboren. Mit etwa vier Jahren begann sie zu malen.
Ihre bereits früh entdeckte Begeisterung für die Kunst
wurde vom Elternhaus gefördert. Sie besuchte ab dem 8. Lebensjahr
die damals erste und einzige Kindermalschule in München
der Künstlerin Antje Tesche-Mentzen. Mit 10 Jahren gewann
sie in einem Malwettbewerb den 1. Preis von Bayern. Nach ihrer
Schulzeit an der Rudolf Steiner Schule in München folgte
Unterricht bei Karl-Heinz Knödler, Meisterschüler bei
Willi Baumeister. Im Anschluss an ihr Studium für Grafik
und Design arbeitete sie als Prospekt- und Bühnenmalerin
bei der Bavaria-Atelier-Gesellschaft in München. Sie wirkte
gemeinsam mit Frieder Thaler unter der Leitung des Oscar-Preisträgers
Rolf Zehetbauer an zahlreichen renommierten Projekten mit. Namhafte
Filme, an denen sie beteiligt war, sind u.a. Fedora von
Billy Wilder und Berlin Alexanderplatz von
Rainer Werner Fassbinder. Auch für die Oper Das
Rheingold in
der Inszenierung von Herbert von Karajan gestaltete sie das Bühnenbild
mit. Bis zu ihrem Umzug nach Hamburg im Jahr 1986 hat sie ihre
künstlerischen Aktivitäten ruhen lassen. Seit 1993
lebt und arbeitet sie als freischaffende Künstlerin in der
Nähe von Hamburg.
Im Zeichnen und Malen fand sie das rettende
Gegengewicht zum seelischen unbehaust Sein in früher Kindheit Ab 2000 wurde
die Kunst zum Schlüssel, der die Tür zum Leben öffnete.
Im Widersprüchlichen stimmig zu werden, Intuition mit intellektuellem
Raffinement auszustatten, Lyrisches aggressiv und Unbewusstes
explosiv auszudrücken mündet in der für sie charakteristischen
Authentizität.
Ihre Bilder sprechen eine dynamische
farbenprächtige Sprache
und sind durch einen expressiven gestischen Pinselstrich geprägt.
Scheinbar unkontrolliert fliegen Farbfetzen, Farbschlieren über
die Leinwand. In ihrer Fantasie scheinen sich Bildinhalte und
Farbkompositionen gegenseitig zu überholen und dennoch gehorcht
alles einer dem Thema gewählten Strategie. Sich aus dem
intuitiv lasierten Malgrund und der vagen Skizze heraus in den
plastischen Vordergrund und in das äußerliche Bild
nach vorne zu arbeiten. In die dramaturgisch raffiniert vernetzte,
aber fantasievoll überbaute Konstruktion. Sie sucht in allem
die unmittelbare Nähe zur Farbe. So müssen für
Sabine Böök die Farbtöpfe offen sein, damit die
Farbsignale ihr Empfinden erreichen und stimulieren können.
Mit den bloßen Händen hat sie den direkten Zugriff. Sie
arbeitet nicht minimalistisch distanziert. Vielmehr bilden ihre
Emotionen das Zentrum ihrer künstlerischen Aktivitäten.
In jeder ihrer Arbeiten wird der Akt des Malens als Rausch der
Farbe gefeiert.
Betrachten wir die Stillleben der Künstlerin,
so ist von einer nature morte im
traditionellen Sinne nichts zu spüren.
Ihre Stillleben sind vor allen Dingen durch den Einsatz von Herzen
als emotionale Symbole charakterisiert. In Werken wie Sirtaki oder Abschied zeugt
das Herz gleichsam von Liebe und Freude sowie von Verletzlichkeit
und Schmerz. Es kommen unterschiedliche Materialien zum Einsatz
wie Flaschenetiketten, Zeitungsfragmente und Seidenpapier. Es
wird ihre spezielle Sicht auf das signifikant Weibliche deutlich.
Seidenpapier ist ein Arbeitsmaterial, das eindeutig mit weiblichen
Attributen belegt ist. Es ist zart, fragil und transparent. Sabine
Böök spielt gerne mit diesen Konnotationen und überführt
sie uns aus dem ursprünglichen Kontext in ihre Malerei.
Darüber hinaus erzeugt Seidenpapier eine eigene strahlende
Farbwirkung und durch seine verknitterte Struktur ergibt sich
eine Stofflichkeit, die innerhalb der Komposition eine fein nuancierte
Modulation der Bildtiefe bewirkt.
Ihre Fischstillleben zeichnen sich durch eine frische und vitale
Sprache aus.
In ihren aktuellen Arbeiten entführt uns die Malerin in
die mediterrane Welt Griechenlands. Ihre Bildthemen schöpft
sie aus ihren zahlreichen und regelmäßigen Aufenthalten
in dem Hafenstädtchen Koroni. Im Laufe der Jahre hat sie
eine enge Beziehung zu Koroni entwickelt, so dass die Künstlerin
diesen Ort als ihre zweite Heimat bezeichnet.
Der Ort liegt, malerisch auf einer Landzunge gelegen, auf dem
westlichen Finger des Peloponnes. Von der dortigen Festung eröffnet
sich dem Betrachter eine wundervolle Aussicht über den Golf
von Messinien sowie auf das Taigetos-Gebirge.
Hatte sie in der Vergangenheit vor ihrem
inneren Auge imaginäre
Landschaften entstehen lassen, so haben die neueren Arbeiten
ihren inhaltlichen Ursprung in dem Ort Koroni. Diese Arbeiten
sind aus der Erinnerung heraus entstanden. Bilder wie Rückblick
Koroni1 und Rückblick
Koroni 2 thematisieren
eben diese Atmosphäre und stellen die landschaftliche und
architektonische Struktur dar.
Trotz aller Schönheit hat Sabine Böök den Süden
auch von einer anderen Seite kennen gelernt. Bilder wie Kykladensturm und Sonnenbrand thematisieren die ungezügelte Kraft und
unerbittliche Härte der Naturgewalten. In Kykladensturm verwandelt ein nächtlicher Sturm die erholsame Beschaulichkeit
des pittoresken Badeortes in ein dynamisches Treiben. Blätter
fliegen umher, die Brandung tobt und das Meer umschließt
bedrohlich dunkel die Landzunge. Auf dem Bild Sonnenbrand ist
die Natur in das wärmende Licht der Sonne getaucht. Alles
verschwimmt unter dem gleißenden Sonnenlicht zu einer einheitlichen
Fläche aus Licht, Wärme, Natur und Architektur. Aber
diese Wärme trügt, gleichzeitig zerstört sie erbarmungslos
die gesamte Vegetation.
Offensichtlich sehen wir bei ihren Bildern
keine genaue Rekonstruktion der vor Ort gegebenen Verhältnisse.
Auch bei Ilios 1-3 handelt es sich um Erinnerungslandschaften,
die aus der geistigen und emotionalen Rekonstruktion der vergangenen
Aufenthalte entstanden sind. Ihre Landschaftsdarstellungen
sind auf das Wesentliche reduziert, gleichsam fragmentarisch.
Spannend anzuschauen ist, wie sich der
Malprozess im Raum abspielt, in tief gestaffelten ineinander
geschachtelten, sich wechselseitig aufhebenden Räumen. Manchmal wird Hintergrund nach vorne
gekippt und offen gelegt und zieht den Betrachter mitten hinein
ins Bildgeschehen. In ein Geschehen in dem die Farben sprühen
und die Gegenstände eine eigene faszinierende Bildlogik
entwickeln und zugleich, besonders die zuletzt entstandenen Nachtbilder
Isthmus von Korinth, Patras und Golf
von Messinien, einen
eigenen Zauber verströmen. |