Portait der Künstlerin
Sabine Böök

Wedel im Januar 2007
verfasst von:
Ute Hohensee
M. A. Hamburg

Sabine Böök wurde 1956 in Stuttgart geboren. Mit etwa vier Jahren begann sie zu malen. Ihre bereits früh entdeckte Begeisterung für die Kunst wurde vom Elternhaus gefördert. Sie besuchte ab dem 8. Lebensjahr die damals erste und einzige Kindermalschule in München der Künstlerin Antje Tesche-Mentzen. Mit 10 Jahren gewann sie in einem Malwettbewerb den 1. Preis von Bayern. Nach ihrer Schulzeit an der Rudolf Steiner Schule in München folgte Unterricht bei Karl-Heinz Knödler, Meisterschüler bei Willi Baumeister. Im Anschluss an ihr Studium für Grafik und Design arbeitete sie als Prospekt- und Bühnenmalerin bei der Bavaria-Atelier-Gesellschaft in München. Sie wirkte gemeinsam mit Frieder Thaler unter der Leitung des Oscar-Preisträgers Rolf Zehetbauer an zahlreichen renommierten Projekten mit. Namhafte Filme, an denen sie beteiligt war, sind u.a.  Fedora  von Billy Wilder und  Berlin Alexanderplatz  von Rainer Werner Fassbinder. Auch für die Oper Das Rheingold  in der Inszenierung von Herbert von Karajan gestaltete sie das Bühnenbild mit. Bis zu ihrem Umzug nach Hamburg im Jahr 1986 hat sie ihre künstlerischen Aktivitäten ruhen lassen. Seit 1993 lebt und arbeitet sie als freischaffende Künstlerin in der Nähe von Hamburg.

Im Zeichnen und Malen fand sie das rettende Gegengewicht zum seelischen unbehaust Sein in früher Kindheit Ab 2000 wurde die Kunst zum Schlüssel, der die Tür zum Leben öffnete. Im Widersprüchlichen stimmig zu werden, Intuition mit intellektuellem Raffinement auszustatten, Lyrisches aggressiv und Unbewusstes explosiv auszudrücken mündet in der für sie charakteristischen Authentizität.

Ihre Bilder sprechen eine dynamische farbenprächtige Sprache und sind durch einen expressiven gestischen Pinselstrich geprägt. Scheinbar unkontrolliert fliegen Farbfetzen, Farbschlieren über die Leinwand. In ihrer Fantasie scheinen sich Bildinhalte und Farbkompositionen gegenseitig zu überholen und dennoch gehorcht alles einer dem Thema gewählten Strategie. Sich aus dem intuitiv lasierten Malgrund und der vagen Skizze heraus in den plastischen Vordergrund und in das äußerliche Bild nach vorne zu arbeiten. In die dramaturgisch raffiniert vernetzte, aber fantasievoll überbaute Konstruktion. Sie sucht in allem die unmittelbare Nähe zur Farbe. So müssen für Sabine Böök die Farbtöpfe offen sein, damit die Farbsignale ihr Empfinden erreichen und stimulieren können. Mit den bloßen Händen hat sie den direkten Zugriff.  Sie arbeitet nicht minimalistisch distanziert. Vielmehr bilden ihre Emotionen das Zentrum ihrer künstlerischen Aktivitäten. In jeder ihrer Arbeiten wird der Akt des Malens als Rausch der Farbe gefeiert.

Betrachten wir die Stillleben der Künstlerin, so ist von einer nature morte im traditionellen Sinne nichts zu spüren. Ihre Stillleben sind vor allen Dingen durch den Einsatz von Herzen als emotionale Symbole charakterisiert. In Werken wie Sirtaki oder Abschied zeugt das Herz gleichsam von Liebe und Freude sowie von Verletzlichkeit und Schmerz. Es kommen unterschiedliche Materialien zum Einsatz wie Flaschenetiketten, Zeitungsfragmente und Seidenpapier. Es wird ihre spezielle Sicht auf das signifikant Weibliche deutlich. Seidenpapier ist ein Arbeitsmaterial, das eindeutig mit weiblichen Attributen belegt ist. Es ist zart, fragil und transparent. Sabine Böök spielt gerne mit diesen Konnotationen und überführt sie uns aus dem ursprünglichen Kontext in ihre Malerei. Darüber hinaus erzeugt Seidenpapier eine eigene strahlende Farbwirkung und durch seine verknitterte Struktur ergibt sich eine Stofflichkeit, die innerhalb der Komposition eine fein nuancierte Modulation der Bildtiefe bewirkt.

Ihre Fischstillleben zeichnen sich durch eine frische und vitale Sprache aus.

In ihren aktuellen Arbeiten entführt uns die Malerin in die mediterrane Welt Griechenlands. Ihre Bildthemen schöpft sie aus ihren zahlreichen und regelmäßigen Aufenthalten in dem Hafenstädtchen Koroni. Im Laufe der Jahre hat sie eine enge Beziehung zu Koroni entwickelt, so dass die Künstlerin diesen Ort als ihre zweite Heimat bezeichnet.
Der Ort liegt, malerisch auf einer Landzunge gelegen, auf dem westlichen Finger des Peloponnes. Von der dortigen Festung eröffnet sich dem Betrachter eine wundervolle Aussicht über den Golf von Messinien sowie auf das Taigetos-Gebirge.

Hatte sie in der Vergangenheit vor ihrem inneren Auge imaginäre Landschaften entstehen lassen, so haben die neueren Arbeiten ihren inhaltlichen Ursprung in dem Ort Koroni. Diese Arbeiten sind aus der Erinnerung heraus entstanden. Bilder wie Rückblick Koroni1 und Rückblick Koroni 2 thematisieren eben diese Atmosphäre und stellen die landschaftliche und architektonische Struktur dar.

Trotz aller Schönheit hat Sabine Böök den Süden auch von einer anderen Seite kennen gelernt. Bilder wie Kykladensturm und Sonnenbrand thematisieren die ungezügelte Kraft und unerbittliche Härte der Naturgewalten. In Kykladensturm verwandelt ein nächtlicher Sturm die erholsame Beschaulichkeit des pittoresken Badeortes in ein dynamisches Treiben. Blätter fliegen umher, die Brandung tobt und das Meer umschließt bedrohlich dunkel die Landzunge. Auf dem Bild Sonnenbrand ist die Natur in das wärmende Licht der Sonne getaucht. Alles verschwimmt unter dem gleißenden Sonnenlicht zu einer einheitlichen Fläche aus Licht, Wärme, Natur und Architektur. Aber diese Wärme trügt, gleichzeitig zerstört sie erbarmungslos die gesamte Vegetation.

Offensichtlich sehen wir bei ihren Bildern keine genaue Rekonstruktion der vor Ort gegebenen Verhältnisse. Auch bei Ilios 1-3 handelt es sich um Erinnerungslandschaften, die aus der geistigen und emotionalen Rekonstruktion der vergangenen Aufenthalte entstanden sind. Ihre Landschaftsdarstellungen sind auf das Wesentliche reduziert, gleichsam fragmentarisch.

Spannend anzuschauen ist, wie sich der Malprozess im Raum abspielt, in tief gestaffelten ineinander geschachtelten, sich wechselseitig aufhebenden Räumen. Manchmal wird Hintergrund nach vorne gekippt und offen gelegt und zieht den Betrachter mitten hinein ins Bildgeschehen. In ein Geschehen in dem die Farben sprühen und die Gegenstände eine eigene faszinierende Bildlogik entwickeln und zugleich, besonders die zuletzt entstandenen Nachtbilder Isthmus von Korinth, Patras und Golf von Messinien,  einen eigenen Zauber verströmen.